Sonntag, 14. September 2014
Mongolei - die endlose Weite...
Habe ich vor unserer Reise an die Mongolei gedacht, dann hatte ich Bilder von Pferdeherden, der Steppe, Jurten und Nomaden im Kopf. Viele dieser Vorstellungen haben sich in Kirgistan verwirklicht - die Mongolei jedoch war irgendwie anders, als ich sie mir vorgstellt habe (ohne dass dieses andere "besser" oder "schlechter" wäre).
Ulaanbaator empfing uns mit dichtem Verkehr, schlechter Luft und den üblichen Gegebenheiten einer durchschnittlichen asiatischen Großstadt. Gut 40% der 3mil Mongolen leben in der Hauptstadt, die bei ihrer Gründung Anfang des 19 Jhd lediglich für 500.000 Menschen konzipiert wurde, wie uns ein Mongole erzählte. Lange hielten wir uns aber ohnehin nicht in UB auf - kurz die wichtigsten Dinge erledigt und auf ging es in Richtung Westen! Im Vergleich zum Großteil der anderen Reisenden, die wir in unserem Hostel getroffen hatten, waren wir auf eigene Faust und ohne gebuchte Tour unterwegs. Zum einen, weil es einen großen Teil des Abenteuers nimmt, wenn alles im Voraus geplant und organisiert ist und kein Raum für Spontanes bleibt und man darüber hinaus noch eine ordentliche Stange Geld ablegt. Und zum anderen fühle ich mich dafür schlichtweg noch zu jung!
Relativ schnell stellten wir allerdings fest, dass in einem Land mit der viereinhalbfachen Flache von Deutschland die Infrastruktur abseits der Hauptstadt kontinuierlich abnimmt.. der dünnste besiedelste Staat der Welt verfügt nun mal über kein flächendeckendes öffentliches Verkehrssystem. Und asphaltierte Straßen? Eine wahre Freude, wenn man auf sie trifft, denn sie sind selten!
Wenn nun kein Bus oder eine gemeinschaftliche Mashrutka nach xy fahrt, so findet sich sicherlich ein "Taxi" (zu Touristenpreisen versteht sich) und bringt einen ans gewünschte Ziel! Die Provinzstaedte sind zum groessten Teil nicht an den oeffentlichen Verkehr angeschlossen und verfuegen oftmals nichtmal ueber fliessendes Wasser. Duschen? Ein Fremdwort..
Irgendwie kamen wir dann zum "White Lake" und wanderten und campten entlang des Sees. Die Weiterfahrt, keine 200 km, nahm mehr als 11 Stunden in Anspruch - der alte russische Van streikte im Rhythmus von zwei Stunden. Der Fahrer drosch ein paar Mal auf den Motor ein.. und es ging weiter! Ein traumhafter Sternenhimmel entschädigte die Fahrt; nur unsere Magen waren anschließend ordentlich beleidigt.
Das Essen in der Mongolei ist ohnehin eine eigene Sache: außer Zwiebeln, Kraut, Karotten und Kartoffeln wächst wenig Gemüse - von Obst ganz zu schweigen! Die glänzend roten Aepfel, die es in UB zu kaufen gab, hatten einen stolzen Kilopreis von € 5!! Da vergeht sogar mir die Lust auf Obst.. Mongolisches Essen besteht daher in erster Linie aus Fleisch, in Kombination mit Nudeln, Reis, etwas Gemüse.. Selbst mein hochgelobter Magen, der schon viele Kuriositaten ausgehalten hat, gab sich geschlagen.. (und der vom Stefan noch viel schneller). Während unserer Wandertouren waren wir so ganz froh, uns mittels Campingkocher selbst zu versorgen. Einkaufen in der Mongolei ist aber ebenfalls nicht gerade einfach. Denn abseits größerer Städte findet man nur noch kleine Laeden, die zur Hälfte mit Wodka, Bier und Cola gefüllt sind und der Rest besteht aus Süßigkeiten und einigen Konserven :-) Wohlbemerkt ist meistens ein Großteil der Lebensmittel bereits abgelaufen - das bemerkten wir aber auch erst nach einiger Zeit. Ein richtig schlechtes Gewissen bekommt man, wenn man versucht "regional" einzukaufen. Ich glaube, es ist einfach nicht möglich: Nudeln, Porridge, Reis aus Russland, Thunfisch aus Thailand oder USA, Erbsendosen aus Italien, Schokolade aus Korea, Marmelade aus Deutschland, Milchcreme aus der Ukraine.. irdendwann fanden wir mal Keks, die tatsächlich in der Mongolei produziert wurden, aber das wars dann auch. So gut wie alle Lebensmittel werden importiert und sind dafür noch erstaunlich günstig. Aber auch sie selbstgekochten Thunfischnudeln, Krauitnudeln oder Reis mit Zwiebel und Karotten hingen uns bald mal zum Hals raus.. Anbei ein Foto des "gluecklichen Essers"..!
Das Highlight unserer Reise war sicherlich der Norden der Mongolei, in den wir es mach einer Woche geschafft hatten (den Westen hatten wir abgeschrieben: 60 Stunden Busfahren wenn alles gut geht, das war uns dann doch zuviel!). In Khatgal, am Khovsgol Lake fanden wir ein sehr nettes und gemuetliches Hostel. Das Besitzerehepaar sprach ausgezeichnetes Englisch und kuemmerte sich fuehrsorglich um seine Gaeste. Insgesamt verbrachten wir in der Gegend fast zwei Wochen mit wandern und reiten. Das tuerkisblaue Wasser des Sees lud zwar zum Baden ein - war dann aber doch definitiv zu kalt!
Mein persoenliches Highlight, quasi ein Teenagerwunsch, war die 5 taegige Reittour, die wir von Khatgal aus machten. Unser Guide, den uns das Hostel organisiert hatte, sprach nur ein paar Brocken Englisch, aber mit Hand und Fuss liess es sich dann doch irgendwie kommunizieren! Das Pferd kostete pro Tag uebrigens 8 Euro - da kann man schon mal ein paar Tage unterwegs sein.
Stefan kaempfte allerdings etwas mit dem mongolischen Holzsattel ;) Ob der sich wieder auf ein Pferd setzt.. ich bezweifle es!
Einmal waren wir zu Mittag bei einer Nomadenfamilie und bekamen frischen Yoghurt, Kaese und gebackenes Brot zum Kosten - was fuer eine freudige Abwechslung zu unserer eintoenigen Mahlzeit!!
Wie schnell sich hier das Wetter aendern kann, erfuhren wir am vierten Tag als es ueber Nacht zu schneien begann. Und den ganzen naechsten Tag in Stroemen regnete.. Da half nur eines: abwarten und Tee trinken (und hoffen dass der Ebookreader durchhaelt wenn man den ganzen Tag im Zelt verbringt!). Unser Guide hatte lediglich eine Plane mit, unter der er schlief und genau einen Mantel, den er bei 5 Grad ebenso trug wie bei 25. Angesichts der Temperaturen, die es hier im Winter hat (bis zu minus 40 ist normal), war das fuer ihn wohl nicht mal nennenswert..
Der definitiv schlimmste Teil folgte mit der Rueckfahrt nach Ulan Bator: 17 Stunden Busfahrt, Rueckenlehne nicht verstellbar, saukalt, 80% der Strecke ueber Feldwege und je laenger wir fuhren, desto uebler wurde mir.. Naja, auch das vergeht.
Auf mongolisches Essen kann ich gut und gerne mein weiteres Leben verzichten - die Mongolei an sich war aber eine wunderbare Erfahrung, nicht immer einfach, aber faszinierend, abenteuerlich und von schier endloser Weite.
Mittwoch, 20. August 2014
Kirgistan
Eingebettet zwischen Kasachstan, China, Usbekistan und Tadschikistan liegt das, im Verhältnis zu seinen nördlichen und östlichen Nachbarn, kleine Kirgistan (früher auch Kirgisien oder Kirgisistan genannt). Ein großer Teil des Landes besteht aus Bergen, die an der Grenze zu China eine beachtliche Größe erlangen. Selbst in der Hauptstadt Bischkek lassen sich in weiter Entfernung schneebedeckte Gipfel erkennen - und wahrscheinlich auch angenehmere Temperaturen als in Kirgistans "Metropole". Ein serviceloser Flug mit der Billiglinie Pegasus, die Ankunft um 4:30 Uhr in der Früh und die 5stündige Zeitverschiebung lassen und die ersten beiden Tage im Jetlag herumwanken - selbst der richtig gute Espresso in einem westlichen Expats Café kann da nicht helfen (es sollte für die nächsten Wochen auch der letzte Kaffee sein, den wir bekommen).
In Bischkek selbst verpasst man allerdings nicht viel; die russisch angehauchte Stadt hat außer einem großen Markt und monumentalen kommunistischen Bauten wenig zu bieten.
So machen wir uns auf zum Son-Kül, einem kleinen Gebirgssee auf 3000 Meter. In Kirgistan ist übrigens fast jedes Auto ein Taxi - zwischendurch gibt es sogar einige "richtige" Talxler, was aber noch lange nicht bedeutet, dass man als Europäer annähernd das Gleiche bezahlen würde wie ein Kirgise. Unsere mageren Russischkenntnisse helfen hier bedingt weiter.. So geht es mit der Mashrutka - einer Art Gemeinschaftstaxi - nach Koshkor. Dort organisieren wir uns einen Pferdeguide und zwei Pferde und verbringen 4 Tage im Sattel bzw wandernt von Jurte zu Jurte. Pferde- und Schafherden verbringen in der Steppenlandschaft sozusagen ihren Sommer, während die Touristen für die Familien eine zusätzliche Einnahmequelle sind - viel Geld erwirtschaften sie mit der Tierzucht ohnehin nicht. Das Essen ist einfach, aber gut: sehr süße Heidelbeer oder Kirschmarmelade, Porridge, Fladenbrot, Buchweizen, Kartoffelsuppe und Schaffleisch kommt hier hauptsächlich auf den Tisch. Die eigenartig vergorenen Getränke, die entweder nach pürierten Essiggurkerl oder verflüssigtem Räucherkäse schmecken, kosten wir zwar, meiden sie aber fortan.. Reiten in Kirgistan bedeutet übrigens auch, im Schnelldurchlauf alle drei Gangarten zu erlernen, denn nach 10 min auf dem Pferd galoppieren wir auch schon drauf los! Dass man dabei etwas atemlos wird, liegt unter anderem auch an der Seehöhe von über 3.000 Meter!
Nach unseren Reitabenteuern (die Pferde sind übrigens ausgesprochen gutmütig) fuhren wir weiter in den Osten nach Karakol, um für einige Tage in den Bergen zu wandern. Ziemlich schnell stellten wir fest, dass Essen für 5 Tage ein ganz schönes Gewicht hat und minimierten unsere Ausrüstung auf das Mindeste (nur blöd wenn dann das Wetter umschlägt). Zu Beginn noch Sonnenschein, regnete es dann so viel, dass wir am dritten Tag leider abbrechen mussten - und dafür aber die knapp kalkulierte Schokolade auf einmal essen konnten :-) Obwohl wir mein im wahrsten Sinne des Wortes heiß ersehntes Ziel nicht erreicht hatten (am fünften Tagen hätten wir Thermalquellen erreicht), nahmen wir viele Eindrücke, einen knapp 4.000 Meter hohen Pass und eiskalte Flussdurchquerungen mit.
Da wir nun noch etwas Zeit hatten stoppten wir am Weg zurück nach Biskekh am Issyk-Köl, nach dem Titikaka in Bolivien der zweitgrößte Gebirgssee. Das kuriose daran: im Juli und August mutieren viele Orte zu beliebten russischen Sommerdestinationen - wohlgemerkt eher nur für die russische Mittelklasse. Kleidungstechnisch ist hier gerade der Jogginganzug angesagt und zwischen all den Souvenirständen und Quietschenten hat man schon mal das Gefühl am Bademeisterstrand in Caorle oder Jesolo zu sein.. Nachdem wir aber bei einer sehr netten kirgisischen Familie untergebracht waren und dort auch andere Backpacker trafen, verbrachten wir die Zeit mit Tee trinken und Reiseerzählungen. Viele Reisende kommen über die Seidenstraße nach Kirgistan, gar nicht wenige mit dem Fahrrad und einige berichteten auch von Trekingtouren in Afghanistan - wohlbemerkt im nordöstlichen Wakhan Korridor, eine Region, die aufgrund ihrer Abgeschiedenheit vom Krieg verschont blieb.
Wie im Flug verging die Zeit in Kirgistan - ein beeindruckendes Land mit freundlichen Menschen, vielseitiger Landschaft, ausreichend Transportmöglichkeit und ueberraschend abwechslungsreichem Essen. Und heute Abend geht es schon weiter in die Mongolei!
Samstag, 13. Juli 2013
Rocklands 2013
Südafrika zum zweiten Mal
Es ist ja nichts Neues, dass ich die meisten Urlaubsziele nochmals bereisen möchte. Weil beim ersten Mal bei weitem nicht alles erkundet und entdeckt werden kann, was es zu tun gibt; weil manche Gegenden so schön sind, dass man einfach wieder dort hin möchte. Oder weil man auf Boulderurlaub war und soviele offene Projekte hinterlassen hat, dass sie eben ein Jahr später abkassiert werden müssen (für alle Nicht-Kletterer: ein Felsbrocken wurde nicht erklommen. Hört sich banal an, ist es aber nicht. Die Faszination des Boulderns ist aber eine andere Geschichte und deren Abhandlung würde wohl in einem philosophischen Monolog enden, wofür mein Internet-Guthaben zu knapp bemessen ist).
Apropos: Internet gibts hier nur an ausgewählten W-Lan Spots, Handyempfang sowieso nicht, die nächsten Häuser, sprich Nachbarn, sind gute 5km entfernt und zum nächsten Lebensmittelgeschäft braucht man eine gute halbe Stunde mit dem Auto. Außer viel Felsen gibts hier nicht viel. Endlose Weite, ein paar Schafe, hin und wieder eine Farm.
Das Wetter meint es gut mit uns - jeden Tag Sonne, leichter Wind, zwischen 15 und 20 Grad. Da fallen die ersten schweren Projekte schon innerhalb kurzer Zeit und alles was noch kommt ist wie ein Bonus obendrauf. Ja, hier könnte man es noch viel länger aushalten... auch das ist nichts Neues: Urlaube sind meistens zu kurz. Aber deswegen kommt man eben einfach wieder. Und genießt jede Minute, die man so glücklich verbringen darf.
Sonntag, 5. August 2012
Von wilden Tieren und hohen Felsen
Nach mehr als drei Wochen am Felsen ist die Haut schon ziemlich beansprucht worden und auch die Körperspannung lässt langsam nach. Und nachdem noch zwei weitere Freunde ankommen, geht es für ein paar Tage nach Kapstadt und dann weiter auf Safari.
Kapstadt polarisiert: die prachtvollen Häuser in der Innenstadt und außenrum die Townships der Armen. Villen gegen Wellblechhütten - reich und weiß oder arm und schwarz. Die traurige Geschichte Südafrikas ist viel zu oft noch die Gegenwart und trotz ihrer Minderheit (9% der Südafrikaner sind Weiße) sind die Weißen die Besitzhabenden. Kapstadt ist dabei auch keine Ausnahme - in allen größeren Orten sieht man die Trennung ganz deutlich. Auch etwas anderes ist gut zu sehen: die prächtigen Villen sind von dicken Mauern umgeben, Stacheldrahtzäune und vergitterte Fenster. Da sitzen sie drinnen in ihren goldenen Käfigen..
Kapstadt finde ich dennoch eine interessante Stadt, obwohl mich die Landschaft rundherum noch viel mehr begeistert. Endlose einsame Sandstrände, karge Dünen und wüstenartige Vegetation, dazwischen gelbe Rapsfelder, Hügel, Berge und blühende Blumenfelder. Und alles wechselt in kürzester Zeit. Oder wie es der Seppl ausdrückt: da glaubst einen Moment du fährst durchs Innviertel und zwei Minuten später schauts aus wie in der Tundra! Auch ans Kap der guten Hoffnung kommen wird - das allerdings nicht der südlichste Punkt Afrikas ist!
Tja, Kilometer sind es nicht gerade wenig in den Addo Nationapark aber es zahlt sich aus: Elefanten, Zebras, Büffel, Kuddos, Warzenschweine, Strauße, all das ist dort. Nur die Löwen und Nashörner bekommen wir nicht zu Gesicht. Dafür gibts dann am nächsten Tag sogar noch Wale: der südliche Glattwal hat seine Heimat an der südfrikanischen Küste. In den Wintermonaten Juli und August kommen sie zum Paaren aus der Antaktis zurück. Bis zu 18 Meter groß werden die Weibchen und über 45 Tonnen schwer. Selten habe ich ein faszinierenderes und anmutigeres Tier wie einen Wal gesehen. Daneben ist man wirklich sehr klein...
Mit all diesen vielen Eindrücken, genesener Haut und viel mehr Kraft geht es zurück in die Rocklands, wo die letzte Woche nochmals alle Projekte in Angriff genommen werden!
Freitag, 20. Juli 2012
Südafrika
Nach einem kurzen Abstecher in Österreich ging es Anfang Juli wieder in die Ferne - diesmal gemeinsam mit Freunden zum Bouldern in die Rocklands. Nordwestlich von Kapstadt gelegen bieten die Rocklands ideales Kletterwetter um der sommerlichen Hitze zuhause zu entfliehen. In den Nächten ist es allerdings richtig kalt und die Temperaturen liegen oftmals unter Null Grad.
Die Landschaft rund um die Rocklands sind für mich etwas faszinierend Neues: karge Sanddünen, blühende Kakteen und endlose Weite... von ganz eigener Schönheit. Und die Boulderblöcke sind einfach sensationell: roter Sandstein mit grandiosen Linien, die nur darauf warten geklettert zu werden!
An den Rasttagen laden die "hot springs" mit ihren 43 Grad geradezu ein unsere müden Muskeln zu entspannen. Wie wunderschön es doch hier ist....
Donnerstag, 7. Juni 2012
Unterwegs im Süden Chinas
Im Anschluss an Getu Valley beschließe ich mein Visum zu verlängern und mir die südliche Provinz Yunnan anzusehen. Diese ist reich an Kultur, Tradition und beeindruckender Landschaft und deswegen auch ein beliebtes Reiseziel für chinesische Touristen.
Mein erstes Ziel ist Lijiang, Heimat der Naxi Minderheit. Nach wie vor gibt es in China über 50 verschiedene Minderheiten, die ihre eigene Sprache, Kultur und Kulinarik haben. Was den Han-Chinesen ein Dorn im Auge ist, wenn man das so sagen kann, denn für Rechte der Minderheiten hat niemand viel übrig. Lijiang ist DAS Reiseziel für Chinesen und dementsprechend verkitscht ist die gesamte Stadt. Es gibt nichts, was man nicht kaufen kann und ein Souvenirstand ist neben dem nächsten. Shopping ist Nationalsport Nummer Eins - zumindest bei jenen, die es sich leisten können.
Die Umgebung von Lijiang wartet mit beeindruckenden 5000ern auf - für die ich zwar definitiv nicht ausgerüstet bin - aber eine Trekkingtour geht sich dennoch aus. Die zweitägige Wanderung ist gar nicht so unanstrengend - einerseits macht sich die Ausgangshöhe von 2500 Metern bemerkbar, andererseits glüht die Sonne runter und der staubige Weg ist eine einzige Sandwüste. Belohnt werde ich aber mit einer wundervollen Aussicht!
Von der "Tiger Leaping Gorge" wie die Schlucht heißt, geht es weiter in den Norden nach Shangri La. Dort spürt man schon deutlich den Einfluss der tibetischen Kultur - landschaftlich sowie kulinarisch. Auf das Vergnügen, den Buttertee in China zu probieren, habe ich allerdings verzichtet. Dieses kulinarische Highlight durfte ich bereits in Gastein verkosten :-) und damals schmeckte er schon gewöhnungsbedürftig. Generell ist das Essen in China regional sehr unterschiedlich. Reis, Gemüse und Fleisch domineren, gefüllte Knödel aus Germteig und Nudeln werden meist zum Frühstück gegessen. Im Vergleich zu Laos fehlt die Schärfe und leider auch die Raffinesse - und das sehr ölige Essen führt oft zu dringlichen Besuchen des stillen Örtchens; mein Magen hat sich nie so wirklich mit China angefreundet... Die Toiletten hier sind übrigens mit Abstand die furchtbarsten in ganz Asien. Generell scheint den Chinesen vor sehr wenig zu grausen. Es wird gerotzt und gespuckt, aber das scheint niemanden zu stören!
Hier in Shangri La nimmt nun auch die Anzahl der chinesischen Touristen ab (die Anreise ist beschwerlich und dauert lange) und "Westler" sehe ich ebenfalls nur mehr wenige. Wie generell in China - im Vergleich zu Südostasien ist man hier wirklich noch in unberührten Gegenden. Dementsprechend starren mich auch die Einheimischen an - nicht ungut, eher neugierig. Sie sind alle sehr freundlich und sprechen mich auch oft an, aber leider kommt es selten zu einer Unterhaltung. Ganz wenige Chinesen sprechen Englisch und das macht den Kauf von Busticket jedesmal zu einer großen Herausforderung. In den Restaurants gibt es teilweise englische Übersetzungen, ansonsten mache ich manchmal einen Rundgang und bestelle, was eben der Tischnachbar isst. Verhungern tut man jedenfalls nicht!
Nach Shangri La reise ich noch ein Stück weiter in die Berggegenden - nach Deqin. Von dort sind es nur mehr 30 km bis nach Tibet. Aber selbst wenn ich ein Permit hätte, über Land darf ich als Nicht-Chinesin ohnehin nicht nach Tibet einreisen. Das ist Gesetz und basta...Die Tibetproblematik scheint momentan ohnehin wieder verschärft zu sein und so begnüge ich mich mit Deqin, wo immerhin 80% der Einwohner Tibeter sind. Auf über 3500 Metern gelegen ist der Ort an sich zwar sehr karg, aber die Landschaft.... ein Traum!
Die 7stündige Busfahrt hat sich gelohnt! Wie selten sich hier allerdings Touristen verinnen, bemerke ich bei der Ausreise von China. Der Zollbeamte fragt mich warum ich in Deqin war und was ich dort wollte...
Nach den vielen vielen Busfahrten beschließe ich, noch ein paar Tage in einem Yogacenter zu verbringen. Wieder bin ich die einzige Nicht-Chinesin, aber die anderen Yogis sprechen zumindest Englisch - die meisten zumindest. Das Niveau ist sehr hoch und ein gewisser "chinesischer Drill" lässt sich selbst beim Yoga nicht verleugnen. Aber es gefällt mir sehr gut.
Das letzte Wochenende komme ich dann nochmals an den Fels und zwar in Kunming. Dort leben Pete und Corry, zwei Expats aus Südafrika die ich i Getu kennengelernt habe. Drei Wochen Kletterpause und ein stark überhängendes Gebiet resultieren allerdings in einem ordentlichen Muskelkater!
Nach über zwei Monaten verlasse ich nun wieder China - ein sehr ambivalentes Land, das ich manchmal mehr und manchmal weniger lieben gelernt habe.
Bevor es nun am 11. Juni wieder nach Österreich geht, verbringe ich nochmals ein paar Tage mit Yoga auf Kho Phangan in Thailand
Eine wunderbare Möglichkeit diese Reise zu beenden und mich auf alles weitere, was die Zukunft bringt, zu freuen.
Om Shanti!
Donnerstag, 5. April 2012
Vom Norden Laos nach China
Wie immer wenn ich in einem Klettergebiet bin relativiert sich das Leben auf das Wesentliche (klettern, essen, schlafen) - zum Leiden der Blogeinträge. Hier aber ein Nachtrag der letzten Wochen: nach Thakekh war es wieder an der Zeit ein wenig die Gegend zu erkunden und so machte ich mich auf in den Norden von Laos. Waren die Straßen im Süden schon nicht berauschend - im Norden waren sie eher mehr Feldwege als sonst etwas. Asphaltiert wird maximal Stückweise und das auch nur so erbärmlich dass es kaum der Rede wert ist. Jeden Abend in der Dusche merkte ich mit Erstaunen, wie sich meine "hübsch gebräunte" Haut in ein dunkelbraunes Rinnsal auflöste... Die Unesco Weltkulturerbe Stadt Luang Prabang ist aber definitiv einen Abstecher wert - schon aufgrund des wunderschönen Nachtmarktes mit all den bunten Taschen, Schals, Lampenschirmen und sonstigen handgemachtem Kunstwerk. Einziger Wehmutstropfen: wohin mit all den Sachen wenn der Rucksack schon voll ist?!
Von dort aus weiter ging es weiter bis an die chinesiche Grenze. Und wie ein Wunder, 50 km vor China fährt man wieder auf Asphalt! Um die wirtschaftlichen Beziehungen zu Laos zu verbessern, haben die Chinesen ordentlich in die Infrastruktur investiert - was dann im Landesinneren von Laos passiert, ist ihnen wohl nicht so wichtig...
Je weiter ich in den Norden vordrang, desto geringer wurde auch die Anzahl der Touristen. Schlussendlich war ich die einzige "Weiße" in den Bussen und wurde oft von neugierigen Laoten bzw Chinesen angesprochen, aber mehr als Lächeln und mich mit Händen und Füßen verständigen konnte ich leider nicht. Nach der chinesichen Grenze ging es weitere 350 km bis Jihong, meinem ersten Stop in China. Viele, viele, viele (und nochmals mehr gefühlte) Stunden im Bus.. Diese sind zwar teilweise mühsam, aber die reizvolle Landschaft entschädigt für eingeschlafene Körperteile und sich übergebende Mitreisende (verstehe bis heute nicht warum Asiaten beim Busfahren immer schlecht wird - die müssten das doch eigentlich gewohnt sein?!) und den ewigen Klassiker: Reifenpanne. Man legt eine ausgesprochene Gelassenheit an den Tag (schon fast eine gewisse Art von Phlegmatie) und aus der Ruhe bringt einen so schnell nichts mehr; unter Umständen lässt sich so eine Busfahrt sogar als total überteuerstes Management Seminar verkaufen :-)
Jihong ist eine relativ unspektakuläre Stadt in der Yunnan Provinz und diente für mich nur als Zwischenstop für die 7 Millionenstadt Kunming, von wo ich den Nachtzug nach Guilin/Yangshuo nahm. Auch wenn Laos entwicklungstechnisch weit hinter China liegt ist es reisetechnisch viel eher auf Touristen eingestellt. Da sich mein Chiesich auf Hallo, Danke und Prost beschraenkt, war es dementsprechend schwierig, von der Busstation ins Zentrum zu gelangen - noch dazu, wo ich an einer anderen Busstation als gedacht ankam und der gesuchte Bus Nummer 3 de fakto nicht existierte. Es dauerte eine Weile bis ich das verstand ;) Zumindest hatte ich die Adresse des Hostels auf Chinesich und so wurde ich von A nach B und C geschickt und irgendwann (ich muss wohl wirklich sehr verloren gewirkt haben) erbarmte sich eine Chinesin, nahm mich sprichwoertlich an der Hand und brachte mich zum gewuenschten Ort!
Diese Offenheit entschaedigte fuer manch ungewohnte und abstossende "Tugenden": man glaubt gar nicht, wie viel gerotzt, gespuckt und geruelpst werden kann und das Wort "Privatsphaere" existiert hier wohl nicht. Nichts schoener als so richtig laut ins Handy zu plaerren, oder, noch besser, waehrend der Busfahrt saemtliche Klingeltoene rauf und runter zu spielen...
Nach Kunming sinds nochmals 18 Stunden Zugfahren und dann ENDLICH: Yangshuo!
Mein australischer Kletterkollege Duncan ueberraschte mich nicht nur mit einem eigenen Zimmer in seiner Wohnung, sondern mit noch drei weiteren Australiern, die fuer 2 Wochen zu Besuch waren. Nun ja, es geht ein wenig rund hier! Aber die Bedingungen sind bestens - nicht zu heiss und nicht zu kalt und so verbringen wir die Tage mit klettern, essen und schlafen - den wesentlichen Dingen eben :) (kleiner Nebensatz: die Burschen sind auch ziemlich intensiv am Feiern, aber da fehlen mir wohl die australischen Trinkgene)...
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